Let me ask you about QAnon…
Bildquelle: Tagesschau.de

Let me ask you about QAnon…

„Ich weiß nichts über QAnon“, antwortet Donald Trump der NBC-Moderatorin Savannah Guthrie im TV-Interview anlässlich der US-Wahlen in wenigen Tagen. Diese wollte von dem amtierenden Präsidenten ein Statement zu der immer populärer werdenden Verschwörungserzählung hören. „Ich weiß nur, dass sie gegen Pädophilie sind“, positioniert sich Trump einige Sätze später vor einem Millionenpublikum und befürwortet diesen Kampf gegen Pädophilie. Für Zuhörende, die von der Bewegung mit dem Q noch nichts gehört haben, mag das wirr, zusammenhangslos und unverständlich klingen – also zurück zum Anfang.

Was bedeutet QAnon?

Den Anfang macht die Bewegung im Jahr 2017. Ein angeblicher Insider aus dem Umfeld des Weißen Hauses nennt sich auf dem Imagebord (ein anonymes Internetforum) 4chan.org „Q“  und veröffentlicht regelmäßig kryptische Botschaften an seine Anhänger*innen. Der Buchtstabe kennzeichnet eigentlich eine Sicherheitsfreigabestufe in US-amerikanischen Ministerien.  „Anon“ steht dabei für Anonymous. Die kleinen Nachrichten, sogenannte „Q-Drops“, sind Teile einer Verschwörungstheorie, die sich die Mitverfolgenden mithilfe der Drops erst zusammenreimen müssen. Die Entschlüsselung und Kontextualisierung einzelner Q-Drops kann fast als partizipatorisches Element an der Erzählung von Q verstanden werden. Das hört sich erstmal an wie eine Schnitzeljagd, ist aber weitaus gefährlicher: Eine globale Elite soll weltweit mit Kindern handeln und diese in Kellern gefangen halten, um aus deren Blut Adrenochrom zu gewinnen. Der Stoff diene als Verjüngungsmittel und Lebenselixier. Adrenochrom – Das gibt es wirklich. Der chemische Stoff entsteht, wenn Adrenalin oxidiert, sich also in diesem Fall mit Sauerstoff verbindet. Eine aufputschende oder gar verjüngende Wirkung gibt es nicht. Sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus einer menschlichen Perspektive ist die Erzählung absurd und falsch. QAnon-Verschwörer*innen kämpfen weder gegen Pädophilie noch haben sie weltweite Machenschaften aufgedeckt. Die Q-Drops und ihre weiterführenden Erzählungen sind frei erfunden. Und diese globale Elite? Das sind angeblich jüdische Bürger*innen, Teile Hollywoods, Politiker*innen der Demokraten und Unternehmer (u. a. Bill Gates). Der einzige Politiker, der von den Taten der Elite weiß und etwas dagegen unternehmen kann und unternimmt, sei Donald Trump – der angebliche Retter.

Die Erzählung wird und wurde immer weiter über Imagebords und Soziale Medien verbreitet. YouTube-Videos werden in Netzwerken geteilt und erhalten zunehmend höhere Klickzahlen. In Deutschland dient der Nachrichtendienst Telegramm als Hauptverteiler der Erzählung. Ohne diese Verbreitungsmechanismen in Messengern und anderen sozialen Medien hätte es „Q“ mit seiner wirren Theorie vermutlich nicht auf die Weltbühne geschafft.

Und was hat das mit den Wahlen am 3. November zu tun?

Donald Trump ist der Held der Erzählung und seine Wiederwahl für die Anhängerschaft von QAnon damit unbedingt wichtig. Die Demokraten, also auch Trumps Widersacher Joe Biden,  sind Teil der globalen Elite und damit das Feindbild. Auf Wahlkampfveranstaltungen des amtierenden Präsidenten finden sich immer wieder Plakate und T-Shirts mit der Aufschrift „Q“. Für den Präsidenten sind die Verschwörungstheoretiker*innen also in erster Linie Wählerstimmen, die ihn im Weißen Haus halten sollen. Und so ist es ferner nicht verwunderlich, dass er sich gegenüber Moderatorin Savannah Guthrie und dem TV-Publikum nicht klar von QAnon distanziert. Im Gegenteil: In der Vergangenheit war der Präsident mehrfach selbst an der Verbreitung von QAnon beteiligt, indem er Aussagen der Gruppierung retweetete. Lobende Worte und mangelnde Distanzierung geben der Gruppe allerdings einen Raum im öffentlichen Diskurs rund um den mächtigsten Mann der Welt. Das bestärkt QAnon. Ein gefährliches Unterfangen, denn in den USA hat das FBI bereits vor der Gruppe gewarnt und auch Facebook und Twitter gehen mittlerweile verstärkt gegen die Verbreitung der Verschwörungstheorie vor. Die Aussage „I know nothing about QAnon“, hat nicht mehr Wahrheitsgehalt als die Theorie selbst und kann und darf als Statement nicht hingenommen werden.

 

Das Thema hat  Euch interessiert? Auch der Podcast „Das Thema“ von der Süddeutschen Zeitung hat sich in einer Episode mit QAnon befasst. Hört gerne rein. 

 

Laureen

Huhu, ich bin Laureen und studiere Internationale Beziehungen und Kommunikationswissenschaften hier in Erfurt. Medial begleiten mich hauptsächlich Podcasts über Politik und Zeitgeschehen und in einer ruhigen Minute schaue ich auch gerne in die Zeitung. Neben dem Studium bin ich selbsterklärte Expertin für medialen Gossip und den Eurovision Song Contest.

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