So machst du Medien: Interview mit einem Kameramann

So machst du Medien: Interview mit einem Kameramann

Sich als Kameramann selbstständig zu machen ist keine einfache Sache, wie es trotzdem möglich ist, zeigt uns Robert Schwarz.

Nach der Schule begann die berufliche Laufbahn von Robert Schwarz „wild“. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr holte er sein Abitur nach, machte mehrere Ausbildungen und studierte unter anderem Philosophie und Bildungswissenschaften.

Mit der Zeit kam er dann in Berührung mit Film und Fernsehen und stellte fest, dass es für ihn eine gute Variante ist, sich künstlerisch, medial auszudrücken.

Robert Schwarz hat sein Glück probiert und es hat geklappt – heute ist er 31 und als Kameramann mit „Blackscreen Filmproduktion“ selbstständig.

Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Ich bin damals in Leipzig zufällig zum Spielfilm gekommen und habe Assistenzen beim MDR und verschiedenen Produktionsfirmen gemacht. Ich habe dann da den Prozess des Filmemachens kennenlernen können und irgendwann festgestellt, dass es eine sehr coole Variante ist, sich künstlerisch, medial abzuarbeiten. Da die Technik in diesem Beruf eine sehr große Rolle spielt, lernt man auch nie aus.

Der Beruf hat einfach sehr viele Dinge für mich vereinbart.

Was genau machst du in deinem Beruf?

Ich führe Kamera und koloriere Filme.

Benötigt man eine Ausbildung oder ein Studium?

Kameramann ist halt kein geschützter Beruf, man kann es studieren, aber man braucht es eigentlich nicht.

Wie sieht der Produktionsprozess bis hin zum fertigen Film aus?

Also ganz am Anfang steht natürlich die Idee, ein Skript und erstmal Leute, die sich Gedanken machen und dann mit einem Regisseur absprechen, was sie wie verfilmen wollen. Man geht auf Fördersuche, es wird ein Team zusammengestellt und dann geht es erstmal darum, dass dem Skript typische Bilder erschaffen werden, ein Storyboard wird erstellt, Kostüme und sowas.

Dann kommt ja erst der eigentliche Dreh.

Im Anschluss schaut man, was dabei alles gut funktioniert hat und was nicht. Dann versucht man den besten Kompromiss in der Postproduktion zu finden, um das Material was man hat der eigentlichen Idee wieder zuzuführen.

Ist es empfehlenswert, sich in diesem Berufsfeld zu spezialisieren?

Ja unbedingt. Ich würde sagen, dass dieses Berufsfeld nur über Spezialisierung funktioniert.

Worauf kommt es bei deiner Arbeit an?

Ich bin ja selbstständig und ich glaube da kommt es vor allem darauf an, dass man sich selbst organisieren kann und es schafft, kontinuierlich ein gewisses Leistungspensum zu erhalten. Dafür muss man auch ein bestimmtes Leben führen, das ist halt nicht wie ein angestelltes Verhältnis, wo man seine Wochenvorgaben und externen Druck hat. Den Druck muss man sich selbst machen, der äußert sich dann zum Beispiel, wenn man irgendwann kein Geld mehr hat. Du bist halt nicht mehr so in diesem „Montag-bis-Freitag-arbeite-ich-Ding“ drinnen, sondern du arbeitest eigentlich immer. Aber das ist eine andere Art von Arbeit, es ist sehr viel selbstbestimmter und dadurch macht es auch mehr Spaß.

Und dann kommt es glaube ich darauf an, dass man problemlösungsorientiert ist. Also man muss in der Lage sein, auftretende Probleme selbst zu lösen und sich selbst die ganze Sache beizubringen, die dafür nötig ist. Ich glaube so ein autodidaktisches Feld ist dabei gut.

Am Ende ist irgendwo auch so ein kaufmännisches Ding wichtig, weil man sich tatsächlich verkaufen muss, beziehungsweise, weil man selbst für seine Finanzen zuständig ist und schon auch nachdenken muss, wie viel etwas kostet.

Was sollte man als junger Mensch für diesen Beruf mitbringen?

Natürlich ein Auge für einen ästhetischen Bildaufbau. Wenn da so ein gewisses Talent vorhanden ist, wäre das ziemlich gut. Durchhaltevermögen und eine kreative Ader sind auch sehr wichtig.

Es ist ein kreativer Beruf, in dem man durchaus aber auch körperlich relativ fit sein sollte.

Was magst du persönlich an deinem Beruf am meisten?

Die Weiterentwicklung. Ich höre nicht auf zu lernen und das seit Jahren.

Gibt es ein Ziel, dass du noch erreichen möchtest?

Na klar, auf jeden Fall so einen richtig großen Film produzieren.

Hast du noch einen Tipp, den du jungen Menschen, die diesen Beruf erlernen wollen geben würdest?

Nach der Schule sollte man erstmal ein Praktikum in irgendeiner Produktionsfirma machen, damit man mitkriegt, wie dieser Prozess des Filmemachens ist.

Auf jeden Fall erstmal als Set-Runner irgendwo mitlaufen und gucken, ob man da wirklich auch Bock darauf hat.

Natürlich ist man dann auch oft nicht zuhause, wenn man im Spielfilmbereich arbeiten will, was ich jetzt mittlerweile nicht mehr tue. Das bedeutet dann, dass man irgendwo in Hotels schläft und nur oberflächliche Sozialbeziehungen an den Sets führen kann. Das sollte man aber auf jeden Fall kennenlernen, um einschätzen zu können, ob der Beruf das richtige für einen ist.

Im Überblick: der Weg ins Kamerateam

  • du kannst eine meist 3-jährige Ausbildung zum Mediengestalter/in Bild und Ton machen
  • eine andere Möglichkeit ist der Studiengang Film und Fernsehen, der meist 6 Semester beinhaltet
  • je nach Hochschule kannst du auch in anderen Studiengängen das nötige Handwerk erlernen
  • außerdem ist es ein Vorteil für dich, wenn du möglichst viele praktische Erfahrungen sammelst und auch in eigenen Projekten deine Ideen verwirklichen kannst

Lucie

Ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern kommend, schlägt mein Herz für Erfurt. Als Freidenker findet man hier an jeder Ecke Inspiartionen. Der Traum Journalistin im Motorsportbereich zu werden begleitet mich auf meinem Weg. Ich suche nach neuen Geschichten und interessanten Menschen, die es näher zu betrachten gilt.

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